Album: Brennan Heart - Musical Impressions
Momentan liegt es absolut im Trend, dass Hardstyle-Producer ihr eigenes Album veröffentlichen. Angefangen mit Showtek und der genialen Kollaboration von Headhunterz und Wildstylez haben inzwischen u.a. Crypsis sowie Activator nachgezogen. Neben D-Block & S-te-Fan hat vor wenigen Monaten ein weiterer der Großen der Hardstyle-Szene ein umfassendes Werk angekündigt: die Rede ist natürlich von Brennan Heart. Mit legendären Tracks wie One Blade und Revival X hat er sich längst einen Namen gemacht. Nach einer vermeintlichen Schaffenspause legt er nun endlich nach und präsentiert uns mit Musical Impressions elf frische Tracks (plus Intermezzos) und diverse Remixe.
For Years (Intro): Das Intro des Albums beginnt mit einer netten Streichermelodie, welche kurz darauf berappt wird. Dieser (wenn auch kurze) Rappart erfüllt zwar seinen Zweck als Einleitung, kommt aber recht lieblos und einfarbig daher, auch wenn einige der Tracknamen geschickt eingestreut sind. Wesentlich besser hätte hier ein episch-klingendes Intro mit ausgeklügelten Vocals und trance-ähnlichen Flächen funktioniert. 3/10
Feel U Here: Der eigentliche Teil des Albums beginnt mit einer wahren Bombe. Feel U Here zeigt eindrucksvoll, wie man Hardstyle-Tracks produzieren sollte. Das Build-Up ist kurz, aber prägnant und leitet zu den von Shanokee gesungenen Vocals über, welche selbst nach dem x-ten Mal Hören nicht langweilig werden. Hier überzeugt sie mit einer sehr gefühlvollen Stimme, welche trotzdem kraftvoll wirkt. Melodisch könnte der Track kaum besser sein, es finden sich viele Variationen im Gesamtbild. Der Bass ist sehr kraftvoll, die Kicks klingen einwandfrei. Absolut starker Opener. 10/10
Face The Enemy: Mit Face The Enemy hören wir einen soliden Track, welcher vorallem durch seine treibende Bassline überzeugt. Die Melodie klingt zwar auf den ersten Blick ansprechend, wird aber spätestens nach dem Break etwas langweilig. Hier wäre ein größeres Tonspektrum eine gute Idee gewesen, so hört sich das ganze etwas uninspiriert an. 7/10
Rockstar DJ: Das eindeutige Zugpferd von Rockstar DJ sind die einprägsamen und damit clubtauglichen Lyrics. Schon im Preview des Albums wurde angedeutet, was für ein Potential dieser Track hat. In der finalen Version findet sich ein schöner Aufbau gepaart mit einem E-Gitarren-Overlay. Allgemein kann man sagen, dass wir es hier eindeutig mit einem guten, aber nicht umwerfenden Oldstyle-Track zu tun haben. 8/10
Muzik Bizz: Auf keinem richtigen Hardstyle-Album darf ein progressiv angehauchter Track fehlen. In diesem Fall präsentiert uns Mr. Heart ein Resümee die Musikindustrie betreffend und verpackt dies mit einem simplen Lead. Obwohl Muzik Bizz keine wirkliche Innovation darstellt, ist es durchaus hörbar. Dennoch eher einer der schwächeren Tracks. 6/10
Musical Impressions: Als namensgebender Titel sind natürlich automatisch hohe Erwartungen an Musical Impressions geknüpft. Dank ausgefeilter Vocals und einer sehr energievollen Melodie schafft es der Track diese absolut zu erfüllen. Auch wenn er nicht an die Klasse eines Feel U Here herankommt, sind es gerade die Flexibilität und Verspieltheit im Mittelteil sowie der imposante Break, welche Musical Impressions wirklich hervorscheinen lassen. 9/10
Just As Easy: Schon seit dem Preview hat sich dieser Track als einer der absoluten Favoriten auf dem Album heraus manifestiert. Die Vocals vermögen es Gänsehaut zu erzeugen, so imposant sind sie komponiert und eingesungen. Der männliche Sänger hat seine Stimme perfekt im Griff und verleiht dem ganzen das besondere Etwas. An der Melodie gibt es nichts zu bemängeln, ganz im Gegenteil, sie gehört mit zu den besten auf der Scheibe. Insgesamt ein sehr stimmiger Track. Top. 10/10
We Come And We Go: Motivierende Lyrics gab es schon in vielen Tracks, dennoch schwimmt We Come And We Go nicht einfach auf einer Welle mit. Allgemein bewegt sich Brennan Heart hier auf einem etwas langsameren Gebiet, wozu auch der relativ lange Break beiträgt. Die Melodie weiß zu gefallen und fügt sich gut ins Gesamtbild ein. WCAWG fehlt allerdings das gewisse Etwas, weshalb der Track erst nach mehrmaligem Hören ins Ohr geht. 7/10
Ancient Beat: Hierbei handelt es sich um ein absolut gelungenes Intermezzo, welches ich mir mit veränderten Lyrics eher als Intro gewünscht hätte. Mit Hardstyle hat es nichts zu tun, deshalb sind hier auch nicht die selben Bewertungskriterien anzuwenden. 9/10
I Love Haters: Mit I Love Haters hören wir wieder einen waschechten Hardstyle-Track, wobei deutliche Oldschool-Einflüße zu hören sind. Das Build-Up wird leider durch den an sich gelungenen, aber etwas zu langen Break, unterbrochen. Wer mit Nu-Style nichts anfangen kann, wird sich bei diesem Track absolut wohl fühlen. 9/10
Can't Kill Us: Can't Kill Us zeigt eindrucksvoll, wie man aussagekräftige Vocals mit einem guten Beat verbinden kann, ohne dass der Fluß des Tracks großartig unterbrochen wird. Die Melodie präsentiert sich in feinstem Moll und klingt dementsprechend stark nach Oldstyle. Die Kicks könnten zwar etwas mehr Druck vertragen, dies fällt im Mainpart allerdings nicht weiter negativ auf. 9/10
Audiometric (2009 Album Mix): Eher als Tool gedacht war Audiometric in seiner ursprünglichen Version schon in vielen DJ-Sets präsent. Für sein Album hat Brennan Heart den Track etwas aufpoliert und verändert. Als erstes fallen die geänderten Vocals auf, welche etwas weicher und mehr nach einem wirklichen "Audiotest" klingen. Danach wird das Augenmerk auf die wesentlich kraftvollere Bassline gelenkt, welche eindeutig dazu geeignet ist, auch das letzte Staubkorn aus den Boxen des Hörers zu blasen. Insgesamt klingt der 2009er Mix noch einen Tick besser als das Original und hat das Zeug zum Floorfiller. 10/10
Push Play!: Provokante und minimalistische Lyrics, kein wirklicher Climax und eine absolut simple Struktur. Das klingt nicht wirklich nach einem richtigen Hardstyle-Track. Als Gimmick, wie es von Brennan Heart gedacht ist, ist der Track in Ordnung, ob er es aber wirklich in ein Set eines bekannten DJ's finden wird, ist fraglich. Vielleicht als Bridge, mehr aber auch nicht. 5/10
About Time: About Time ist durchaus interessant, hat aber so wenig mit Hardstyle zu tun wie Headhunterz mit Oldstyle (vom neuen Summer Of Hardstyle mal abgesehen). Das ganze erinnert stark an die Songs von Fort Minor, es wird ein schöner Streicher-Hintergrund mit Rap kombiniert. An das "große Vorbild" kommt der Track aber nicht heran, auch wenn die Lyrics sehr tiefblickend und hörenswert sind. 7/10
One Blade (Noisecontrollers Remix): Einen legendären Track wie One Blade zu remixen kommt für die meisten Hardstyler einer Todsünde gleich, ihrer Meinung nach kann das Ergebnis prinzipiell einfach nicht besser sein als das Original. Wie dem auch sei, die Noisecontrollers wussten anscheinend, was sie sich für eine Aufgabe aufgebürdet haben. Geht man nüchtern an die Sache ran, so muss man feststellen, dass sich hier sehr behutsam an One Blade herangetastet wurde. Vergleicht man das Original und den Remix, so kann man keine gravierenden Unterschiede feststellen. Das Build-Up wurde verändert und dem aktuellen Trend angepasst, in der alten Version klingt es aber eindeutig kraftvoller und energetischer. Die Melodie als solche ist identisch, lediglich die Grundfarbe und Effekte wurden variiert. Hier tönt alles etwas frischer und akzentuierter. Die einen werden dem Original ewige Treue schwören, die anderen sind experimentierfreudig und nehmen den Remix (zumindest zeitweise) in ihr Set auf. Schaden kann es sicherlich nicht, denn frischer Wind tut immer gut. 9/10
Feel U Here (The Viper & G-Town-Madness Remix): Den Abschluss von Brennan Heart's erstem Artist-Album bildet ein Hardcore-Remix von Feel U Here. Die prominenten Größen The Viper und G-Town-Madness haben hier saubere Arbeit geleistet und den Track eindruckvoll ins Hardcore-Gewand verfrachtet. Nicht nur die Melodie, welche absolut überzeugen kann, wurde stark verändert, auch der Mittelteil wurde mit vielen kleinen hörenswerten Details ausgeschmückt. Der Track wirkt Hardcore-bedingt natürlich nicht so episch wie die originale Version, weiß aber eindeutig zu gefallen. 10/10
Mit seinem ersten Album schafft Brennan Heart den Spagat zwischen an Nu-Style angelehnten und oldschoollastigen
Tracks. Viele der Lieder sind melancholisch angehaucht, wobei man vorallem an den Lyrics merkt, dass er auf der
Scheibe seine eigenen Erfahrungen im Musikgeschäft verarbeitet hat. Die einzelne Qualität schwankt teilweise allerdings
doch etwas, wirkliche Totalausfälle (vom Intro abgesehen) gibt es aber nicht. Ab und an wirken die Kicks etwas zu
lasch, manche Breaks zu gehäuft und langwierig, das alles trübt den Gesamteindruck aber nicht merklich.
Obwohl das Album klasse ist schafft Brennan Heart es leider nicht ganz in die Fußstapfen des großen Vorbilds Project One zu
treten, welche mit ihrem Album seinerzeit die Hardstyle-Szene wachgerüttelt haben. Dennoch machen die Tracks sehr viel Spaß
und sind gut tanzbar. Hoffentlich dürfen wir uns in Zukunft noch auf viele weitere Spitzentracks aus dem Hause M!D!FY freuen.
9/10
